Ste­hen wir vor einer Turbo-Evo­lu­­tion?

Warum Arten uner­war­tet über­le­ben

In der Natur geht Selt­sa­mes vor. Gril­len ver­stum­men, Vögel ver­än­dern Aus­se­hen und Ver­hal­ten, Fisch­ar­ten schrump­fen zu Zwer­gen und Ech­sen wach­sen lange Beine. Bio­lo­gin­nen und Bio­lo­gen haben mitt­ler­weile eine Viel­zahl von Bei­spie­len für schnelle Evo­lu­tion gefun­den, die nicht Jahr­tau­sende oder gar Jahr­mil­lio­nen benö­tigt, son­dern inner­halb weni­ger Gene­ra­tio­nen oder Jahre von­stat­ten geht, Evo­lu­tion, mit der man sogar expe­ri­men­tie­ren kann. Trei­bende Kraft ist viel­fach der Mensch: Kli­ma­wan­del, die Zer­stö­rung der Habi­tate, die Ver­schlep­pung von Pflan­­zen- und Tier­ar­ten, der Ein­satz von Pes­ti­zi­den und inten­sive Beja­gung kön­nen einen der­art star­ken Selek­ti­ons­druck erzeu­gen, dass betrof­fene Arten sich über­ra­schend schnell anpas­sen und ver­än­dern.

Bernhard Kegel: Rettung durch schnelle Evolution

Ret­tung durch
schnelle Evo­lu­tion

Warum Arten
uner­war­tet über­le­ben
288 Sei­ten
DuMont

So gibt es zum Bei­spiel immer mehr Ele­fan­ten ohne Stoß­zähne, weil sich die stoß­zahn­lo­sen Exem­plare ver­meh­ren kön­nen, wäh­rend die mit Stoß­zäh­nen Wil­de­rern zum Opfer fal­len. Der Mensch befeu­ert die Evo­lu­tion und ent­facht damit Segen und Fluch zugleich. Denn neben der wün­schens­wer­ten evo­lu­tio­nä­ren Ret­tung von Tier- und Pflan­zen­ar­ten gibt es auch eine dunkle Seite: die bedroh­lich fort­schrei­ten­den Resis­tenz­bil­dun­gen von Krank­heits­er­re­gern und Schäd­lin­gen gegen Anti­bio­tika und Bio­zide. In bei­den Fäl­len geht es um das­selbe Phä­no­men, daher brau­chen wir ein tie­fer gehen­des Ver­ständ­nis die­ser Pro­zesse. Bernhard Kegel zeigt, dass wir die Kraft und die Mög­lich­kei­ten evo­lu­tio­nä­rer Ver­än­de­run­gen unter­schätzt haben, und ent­führt uns in die auf­re­gende Welt der Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gie.

Lese­probe

Ein­lei­tung

Seit Charles Dar­wins On the Ori­gin of Spe­cies (1859; dt.: Über die Ent­ste­hung der Arten) bil­det die bio­lo­gi­sche Evo­lu­tion eine der tra­gen­den Säu­len unse­res natur­wis­sen­schaft­li­chen Welt­bilds und wird Umfra­gen zufolge auch von der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Men­schen als Tat­sa­che akzep­tiert, in Deutsch­land von stol­zen 81 Pro­zent. Viele Erkennt­nisse der moder­nen Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gie sind einer grö­ße­ren Öffent­lich­keit jedoch unbe­kannt, Miss­ver­ständ­nisse und Fehl­ein­schät­zun­gen sehr ver­brei­tet.

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Pres­se­stim­men

»Bernhard Kegel hat unzäh­lige Quel­len auf­ge­stö­bert und aus­ge­wer­tet. Er will wis­sen, wie For­schende zu ihren teil­weise über­ra­schen­den Ergeb­nis­sen gekom­men sind. Wel­che Fra­gen trei­ben sie um? Wel­che Hin­der­nisse stel­len sich in ihren Weg?
Über all das schreibt Bernhard Kegel sehr leben­dig und er lässt auch Rück­schlage und Wider­sprüche nicht aus.
So lässt das Buch sich gut lesen und ist auch für Evo­lu­­ti­ons-Ein­s­tei­­ger geeig­net. Beein­dru­ckend aber vor allem ist die Zahl der Bei­spiele. Sie fin­det sich in die­ser Fülle sonst nir­gends.«
Michael Lange, Deutsch­land­funk Kul­tur, Stu­dio 9, 17.06.2026